Altes Besteck, Tafelsilber, Schmuck, Schalen und andere Gegenstände sehen auf den ersten Blick häufig nach echtem Silber aus. Tatsächlich kann es sich aber sowohl um eine Silberlegierung als auch um einen lediglich versilberten Gegenstand handeln.
Für die Bewertung ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Ein Gegenstand aus einer Silberlegierung enthält entsprechend seiner angegebenen Feinheit einen bestimmten Anteil Silber. Bei einem versilberten Gegenstand befindet sich dagegen eine vergleichsweise dünne Silberschicht auf einem anderen Grundmaterial.
Ein wichtiger erster Hinweis sind die vorhandenen Punzen, Stempel und Herstellerzeichen. Allerdings ist nicht jede Zahl automatisch eine Feingehaltsangabe. Gerade bei älterem Silberbesteck können Kennzeichnungen wie 90 oder 100 auf eine Silberauflage hinweisen und dürfen deshalb nicht mit 900er oder 999er Silber verwechselt werden.
Bei Silbergegenständen wird häufig nicht reines Feinsilber verwendet, sondern eine Silberlegierung. Dabei wird Silber mit anderen Metallen verbunden, um das Material widerstandsfähiger und für den jeweiligen Verwendungszweck geeigneter zu machen.
Der Silbergehalt wird bei vielen Silberwaren durch eine Feingehaltszahl in Tausendteilen angegeben. Je höher die Zahl, desto höher ist grundsätzlich der Silberanteil der jeweiligen Legierung.
Typische Feingehaltsangaben bei Silber sind unter anderem:
| Punze | Silbergehalt | Bedeutung |
|---|---|---|
| 800 | 80,0 % | Silberlegierung mit 800 Teilen Silber von 1000 Teilen |
| 835 | 83,5 % | Silberlegierung mit 835 Teilen Silber von 1000 Teilen |
| 900 | 90,0 % | Silberlegierung mit 900 Teilen Silber von 1000 Teilen |
| 925 | 92,5 % | Sterlingsilber |
| 935 | 93,5 % | Silberlegierung mit 935 Teilen Silber von 1000 Teilen |
| 999 | 99,9 % | Feinsilber |
Die Zahlen 800, 835, 900, 925, 935 und 999 sind grundsätzlich Feingehaltsangaben. Sie beziehen sich auf den Silberanteil der jeweiligen Silberlegierung.
Die Punze 800 steht für eine Silberlegierung mit 80 Prozent Silber. Diese Kennzeichnung findet sich beispielsweise bei älterem Silberbesteck, Tafelgeräten und anderen Silberwaren.
835 bezeichnet eine Silberlegierung mit 83,5 Prozent Silber. Diese Feinheit ist ebenfalls bei älteren Silberwaren und insbesondere bei Besteck anzutreffen.
Bei der Kennzeichnung 900 beträgt der Silberanteil 90 Prozent. Diese Angabe darf nicht mit der Kennzeichnung „90“ auf versilbertem Besteck verwechselt werden.
925 bedeutet 925 Teile Silber von 1000 Teilen und entspricht einem Silbergehalt von 92,5 Prozent. Diese Legierung ist als Sterlingsilber bekannt und wird unter anderem für Schmuck und Besteck verwendet.
Die Punze 999 steht für Feinsilber mit einem Silbergehalt von 99,9 Prozent. Diese Feinheit findet sich insbesondere bei modernen Silberbarren und bestimmten Anlagemünzen.
Eine besonders häufige Verwechslung betrifft die Zahl 90 auf älterem Besteck. Wer diese Zahl sieht, könnte zunächst an 90 Prozent Silber denken. Bei entsprechend gekennzeichnetem versilbertem Besteck ist das jedoch nicht die Bedeutung.
Die Kennzeichnung 90 kann bei versilbertem Besteck Bestandteil eines Systems zur Kennzeichnung der Silberauflage sein. Sie ist damit nicht mit einer Feingehaltsangabe wie 900 gleichzusetzen.
Ein Besteckteil mit der Kennzeichnung „90“ besteht daher nicht automatisch aus einer Silberlegierung mit 90 Prozent Silber. Vielmehr kann sich die Zahl auf die verwendete Silberauflage beziehungsweise das historische Kennzeichnungssystem des jeweiligen Herstellers beziehen.
Für die Bewertung ist deshalb entscheidend, den Gegenstand als Ganzes und seine weiteren Kennzeichnungen zu betrachten.
Auch die Kennzeichnung 100 kann bei versilbertem Besteck vorkommen. Sie bedeutet nicht, dass der gesamte Gegenstand aus reinem oder 100-prozentigem Silber besteht.
Bei entsprechend gekennzeichnetem Besteck gehört die Zahl zum System der Silberauflage. Ein Besteckteil mit der Kennzeichnung „100“ darf deshalb nicht mit einer Feingehaltsangabe wie 999 verwechselt werden.
Die tatsächliche Bedeutung einer solchen Kennzeichnung sollte insbesondere bei älteren Bestecken zusammen mit den vorhandenen Herstellerzeichen und weiteren Punzen betrachtet werden.
Für die Einordnung von altem Besteck ist diese Unterscheidung besonders wichtig.
| Kennzeichnung | Einordnung |
|---|---|
| 800 | Silberlegierung mit 80,0 % Silber |
| 835 | Silberlegierung mit 83,5 % Silber |
| 900 | Silberlegierung mit 90,0 % Silber |
| 925 | Silberlegierung mit 92,5 % Silber |
| 999 | Feinsilber mit 99,9 % Silber |
| 90 | bei entsprechendem Besteck mögliche Kennzeichnung einer Silberauflage |
| 100 | bei entsprechendem Besteck mögliche Kennzeichnung einer Silberauflage |
Die Schreibweise ist deshalb entscheidend: 90 ist nicht automatisch 900 und 100 ist nicht automatisch 999. Gerade bei altem Besteck sollte eine zweistellige Kennzeichnung nicht vorschnell als Feingehaltsangabe interpretiert werden.
Neben den Kennzeichnungen 90 und 100 können bei versilberten Gegenständen weitere Abkürzungen und Begriffe vorkommen. Besonders bekannt ist die Bezeichnung EPNS.
EPNS steht für Electro Plated Nickel Silver. Damit wird ein Gegenstand bezeichnet, dessen Grundmaterial eine entsprechende Nickel-Silber-Legierung ist und der mit einer Silberschicht versehen wurde.
EPNS ist daher kein massives Silber, sondern ein versilberter Gegenstand.
Die Abkürzung EP kann auf eine galvanisch aufgebrachte Beschichtung hinweisen. Die genaue Bedeutung sollte bei älteren Gegenständen jedoch immer zusammen mit den übrigen Kennzeichnungen betrachtet werden.
EPBM steht für Electro Plated Britannia Metal. Dabei handelt es sich um einen Gegenstand aus Britannia Metal mit einer galvanisch aufgebrachten Silberbeschichtung.
Die Bezeichnungen Alpacca oder Alpaka bezeichnen eine silberfarbene Metalllegierung, die kein massives Silber ist. Solche Gegenstände können versilbert sein, müssen es aber nicht zwangsläufig sein.
Deshalb sollte die Bezeichnung „Alpacca“ nicht allein als Beweis für eine Versilberung interpretiert werden. Entscheidend sind die vollständigen Kennzeichnungen und die tatsächliche Beschaffenheit des Gegenstandes.
Auf älteren Silberwaren können mehrere Stempel nebeneinander vorhanden sein. Nicht jede Punze beschreibt den Silbergehalt.
Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Kennzeichnungen unterscheiden:
Bei historischen Gegenständen können zusätzlich Länder-, Prüf- oder Systemkennzeichnungen vorkommen. Deshalb sollte die gesamte Punzenkombination betrachtet werden.
Bei älterem Tafelsilber und versilberten Waren können bekannte Herstellerzeichen eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel ist Christofle, ein französischer Hersteller von Silberwaren und versilberten Produkten.
Bei solchen Gegenständen können spezielle Hersteller- und Systemkennzeichnungen verwendet worden sein. Eine Bewertung sollte deshalb nicht allein anhand einer einzelnen Zahl erfolgen.
Der entscheidende Unterschied liegt im tatsächlichen Silberanteil des Gegenstandes.
Bei einem Stück aus 925er Silber bestehen 92,5 Prozent des Materials aus Silber. Bei einem versilberten Gegenstand befindet sich dagegen lediglich eine Silberschicht auf einem anderen Grundmaterial.
Das bedeutet: Zwei äußerlich sehr ähnliche Besteckteile können hinsichtlich ihres reinen Edelmetallwertes völlig unterschiedlich sein.
Bei massivem Silber kann der Materialwert anhand von Gewicht, Feingehalt und aktuellem Silberpreis ermittelt werden. Bei versilbertem Besteck ist die dünne Silberauflage nicht mit dem gesamten Gewicht des Gegenstandes als Silber gleichzusetzen.
Auch versilbertes Besteck kann interessant sein. Komplette Bestecksätze, historische Stücke oder Erzeugnisse bekannter Hersteller können aufgrund ihrer Verarbeitung, Gestaltung, ihres Alters oder ihrer Herkunft einen eigenen Handels- oder Sammlerwert besitzen.
Für den reinen Edelmetallwert ist jedoch entscheidend, dass ein versilberter Gegenstand nicht mit massivem Silber gleichgesetzt werden kann.
Bei Besteck lohnt sich zunächst ein Blick auf die Unterseite von Griffen, Klingenansätzen oder anderen Stellen, an denen der Hersteller die Punzen angebracht hat.
Eine Kennzeichnung wie 800, 835, 900 oder 925 kann auf eine Silberlegierung hinweisen. Dagegen können Angaben wie 90 oder 100 bei entsprechendem versilbertem Besteck mit der Silberauflage zusammenhängen.
Auch Abkürzungen wie EPNS weisen auf versilbertes Material hin.
Bei älteren Bestecken sollte jedoch immer berücksichtigt werden, dass historische Kennzeichnungssysteme unterschiedlich sein können und eine einzelne Punze nicht in jedem Fall eine vollständige Materialbestimmung ermöglicht.
Nicht jeder Silbergegenstand besitzt eine gut lesbare Punze. Stempel können durch Gebrauch abgenutzt sein oder bei älteren Gegenständen nur schwer erkennbar sein.
Auch eine vorhandene Kennzeichnung kann Fragen aufwerfen, wenn beispielsweise nur eine zweistellige Zahl oder ein unbekanntes Herstellerzeichen vorhanden ist.
In solchen Fällen sollte der Gegenstand nicht allein anhand seines Aussehens beurteilt werden. Eine fachgerechte Prüfung kann helfen, Material, Feingehalt und mögliche Besonderheiten besser einzuordnen.
Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Gegenstand aus echtem Silber besteht oder lediglich versilbert ist, können Sie ihn bei Münzland in Dresden zur Prüfung vorlegen.
Das gilt beispielsweise für Silberbesteck, Tafelsilber, Schalen, Tabletts, Schmuck, Münzen und andere ältere Silbergegenstände.
Bei der Bewertung können vorhandene Punzen, Herstellerzeichen, Gewicht, Materialeigenschaften und weitere Merkmale berücksichtigt werden. So lässt sich besser beurteilen, ob ein Gegenstand aus einer Silberlegierung besteht oder lediglich eine Silberbeschichtung besitzt.
Wenn Sie Silberbesteck oder andere Silbergegenstände verkaufen möchten, können Sie Ihre Stücke persönlich bei Münzland vorlegen.
Gerade bei älterem Besteck aus einem Nachlass oder einer Haushaltsauflösung lohnt sich eine Prüfung. So kann zwischen massivem Silber, versilbertem Material und möglicherweise besonderen oder sammelwürdigen Stücken unterschieden werden.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zum Silberankauf in Dresden.
Eine Punze kann wichtige Hinweise auf das Material eines Gegenstandes geben. Zahlen wie 800, 835, 900, 925 oder 999 sind typische Feingehaltsangaben für Silberlegierungen.
Bei älterem versilbertem Besteck können dagegen auch Kennzeichnungen wie 90 oder 100 vorkommen. Diese Zahlen dürfen nicht mit 900er oder 999er Silber verwechselt werden, sondern können im jeweiligen Kennzeichnungssystem auf die Silberauflage hinweisen.
Auch Abkürzungen wie EPNS können auf eine Versilberung hinweisen. Da historische Hersteller unterschiedliche Kennzeichnungen verwendet haben, sollte die vollständige Punzenkombination betrachtet werden.
Wenn die Bedeutung einer Punze unklar ist, kann eine fachgerechte Prüfung helfen, den Gegenstand richtig einzuordnen und seinen möglichen Wert zu bestimmen.
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